Stauber

Dieter Stauber


Künstler aus Leidenschaft

Biographie

"Ein lebenslanges Bestreben, nach neuen Wegen zu suchen..."

 

1935

Dieter Stauber wird am 3. September in Markt Eisenstein als Sohn von Adalbert Stauber geboren. Der Vater stammt aus Bienendorf bei Budweis und arbeitet als Zeichner in der angesehenen Böhmerwaldglashütte Lötz Witwe. Dort hatten bereits der Vater, Groß- und Urgroßvater von Adalbert Stauber das Glaserhand- werk erlernt. Seine Mutter, Gertraud Stauber (geborene Bohatschek) stammt aus Hurkenthal im Böhmerwald. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ist Adalbert Stauber im eigenen Familienbetrieb in Markt Eisenstein tätig.

1938

Die politischen Wirren zwingen die Familie Stauber zur Flucht. Für kurze Zeit finden Dieter Stauber und seine Mutter in Hamburg ein neues Zuhause.

1939

Am 3. September 1939 wird der Vater zur Wehrmacht eingezogen. Die Familie, mittlerweile in den Böhmerwald zurückgekehrt, kann er nur während der kurzen Fronturlaube besuchen.

 

1941

Volker Stauber wird geboren.

1943

Horst Stauber wird geboren.

1946

Im Mai muß Gertraud Stauber zusammen mit ihren drei kleinen Kindern den Böhmerwald ein zweites Mal verlassen. Sie kann nur das Nötigste über die neue tschechische Grenze retten. In Passau gelingt es ihr, eine Verbindung zum inzwischen aus russischer Gefangenschaft geflüchteten und verwundeten Mann herzustellen. Die Familie siedelt über nach Linz, wo Adalbert Arbeit in einem großen Glasbetrieb findet.

1947/48

Dieter besucht die ersten beiden Klassen der Bundesrealschule in Linz.

1949/50

Auch Dieter Stauber soll die Familientradition fortführen und bewirbt sich an der Glasfachschule in Kramsach, Tirol. Dort findet er in Prof. Adolf Hegenbarth seinen ersten geistigen und künstlerischen Förderer.

 

1951-55

Das dritte Lehrjahr im Kuglerhandwerk beendet Dieter Stauber im mittlerweile neugegründeten Familienbetrieb in Passau. Die Gesellenprüfung im Hohlglasfeinschleifen legt er 1952 an der Glasfachschule in Zwiesel ab. Ein Jahr darauf folgen die Prüfungen im Spiegelbelegen und Facettenschliff.

1956

Da der Großvater wegen einer erblichen Zuckerkrankheit erblindet, beantragt Dieter Stauber seine vorzeitige Zulassung zur Meisterprüfung im Hohlglasfeinschleifer- Handwerk. Er besteht sie erfolgreich und soll nun als ältester Sohn traditionsgemäß den Familienbetrieb übernehmen. Im selben Jahr lernt er seine spätere Ehefrau Waltraud Rupprecht kennen. Auch sie hat nach der Flucht 1945 aus Breslau/Schlesien mit ihren Eltern und vier Brüdern in der Dreiflüssestadt eine neue Heimat gefunden.

1959

Dieter Stauber will sich in seinem Schaffen nicht mehr nur auf das Material Glas beschränken und entscheidet sich für die bildende Kunst: »Arbeiten wann, wo und wie ich will«, so lautet jetzt seine Zielsetzung. Am 3. Oktober heiraten Dieter Stauber und Waltraud Rupprecht. Sie beziehen eine kleine Wohnung in der Passauer Bahnhofstraße, in der er auch sein erstes Atelier einrichtet.

 

1960

Im April wird Tochter Doris geboren. Dieter Stauber bewirbt sich auf Anraten von Monsignore Fasching an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Dort studiert er Kirchenbau bei Prof. Dr. Herbert Muck und Philosophie bei Prof. Dr. Focke. Von besonderer Bedeutung für seine künstlerische Entwicklung ist das Studium der Malerei und Graphik in der Meisterklasse der Professoren Paris Gütersloh und Herbert Böckl.

1964

Dieter Stauber gestaltet die Innenräume der neuerbauten Kirchen in Forsthart, Grubweg und Freyung aus. Für die Fenster verwendet er die von ihm entwickelte Technik der Zwischenglas-Intarsien.

1966

Im Februar wird Sohn Roland geboren. Das Diplom der Wiener Akademie der Bildenden Künste nimmt Dieter Stauber im Juni entgegen. Gleichzeitig wird er mit dem seit 1919 jährlich verliehenen Heinrich-Füger-Preis ausgezeichnet. Seine erste große Einzelausstellung findet anläßlich der »Europäischen Wochen« in Passau statt. Hier sind nahezu alle Frühwerke zu sehen.

1967

Ende April wird Tochter Eva geboren. Im Herbst findet im Wiener Künstlerhaus Staubers erste bedeutende Ausstellung statt. Er überträgt seine für das Glashandwerk spezifischen Kenntnisse nun auf die freie Malerei. Unter Verwendung von farbiger Tusche auf glattem weißem Papier erzielt er mit einer speziellen Lasurtechnik Bilder von großer Leuchtkraft. Diese neue Technik charakterisiert von nun an seine Werke. Stauber bezeichnet seine Arbeiten jetzt als »malerische Graphik« bzw. »graphische Malerei«. Die Bilder »Gefährlicher Zeitungsfressender Pinscher« und »Was nun Till Eulenspiegel« entstehen.

1969

Anfang des Jahres werden in der Münchner »Galerie Wolfgang Gurlitt« neben einigen Graphiken auch seine neuesten Holztafelbilder gezeigt. Eine Ausstellung in Regensburg schließt sich an, wo er sein Werk ganz bewußt im unruhigen Ambiente eines neuerrichteten Einkaufszentrums präsentiert. Im Oktober folgt Dieter Stauber einer Einladung des tschechoslowakischen Künstlerverbandes und zeigt eine Auswahl seiner Arbeiten im »Club Manes« in Prag.

 

1970

Zusammen mit Professor Herbert Gaisbauer organisiert Stauber seine erste Einzelausstellung im Wiener Künstler Club »Palais Palffy«. Die Republik Österreich erwirbt das Gemälde »Den Kopf mit Lektüre vernagelt«. Im Herbst folgt eine Gemeinschaftsausstellung mit dem englischen Bildhauer Leon Underwood in der Londoner »Archer Gallery«.

1971/72

In dieser Zeit findet Dieter Stauber zu seiner schöpferischsten Phase. Er konzentriert sich auf die Weiterentwicklung von Technik und Stil. Einige seiner Hauptwerke entstehen: »Der Pfau«, »Narr und Philosoph« und »Die Töchter der Nacht«.

1972

Im Mai stellt Dieter Stauber seine neuen Arbeiten in der »Morgan Gallery« in Coventry/England aus. Die Stadt Coventry erwirbt das Bild »Lady Godiva«. Es folgen Ausstellungen in der Passauer Nibelungenhalle, der Düsseldorfer »Galerie Des Artes« und der Kölner »Galerie Steiger«.

1973

Zusammen mit Professor Grzimek und der Zoologischen Gesellschaft unternimmt Dieter Stauber eine Expedition nach Südamerika und auf den Galapagos-Archipel, von der er sich Inspiration und neue Impulse für seine künstlerische Arbeit erhofft.

1974/75

Dieter Stauber arbeitet zurückgezogen im Atelier und greift die ursprünglichen Elemente seiner Malerei wieder auf. Es entstehen Schwarzweiß-Tuschegraphiken in Grautönen, konturiert durch Linien, Schatten und Raster. Im Sommer 1975 folgt eine Ausstellung mit Werken wie »Wer wirft hier Perlen vor die Säue«, »Der Störenfried« oder »Todernste Spaßmacher« in der Münchner Galerie Gurlitt. Im Herbst werden diese Arbeiten im »Palais de la Scala« in Monte Carlo und in der Pariser »Galerie Mouffe« gezeigt.

1976-79

Von der Union bulgarischer Künstler wird Dieter Stauber zur Teilnahme am »Elften Internationalen Festival für Humor und Satire« in Gabrovo eingeladen. 1977 zeigt er hier unter anderem die Trilogie »Amtsschimmel«, »Porträt einer Schönheitskönigin« und »Der Schnelldenker«.Während der »28. Europäischen Wochen« 1978 in Passau werden diese Bilder noch einmal gezeigt. Im Sommer des gleichen Jahres nimmt er eine seiner wenigen Auftragsarbeiten an und bemalt die ca. 15 Meter breite Kuppel einer Villa. Es folgt eine Einzelausstellung im »Chateau-Musée de Cagnes-sur-Mer« in Südfrankreich. Erste Anzeichen der ererbten Zuckerkrankheit machen sich bemerkbar. Der Maler leidet zunächst unter einer Netzhautablösung und muß sich einer ärztlichen Behandlung unterziehen. Die drohende Verminderung der Sehfähigkeit kann abgewendet werden.

 

1980/81

Eine umfassende Ausstellung in Bad Füssing zeigt Dieter Staubers Werke unter dem Titel »Menschliches - Tierisches - Satirisches«. Die ersten Arbeiten zum Thema Frau und Eros entstehen. Mit diesen Bildern nimmt Dieter Stauber an einer Kollektivausstellung im »Nouveau Salon de Paris« teil. Das Bild »An die Weiblichkeit« und etwa 70 weitere Werke, die bis ins Jahr 1983 datieren, lassen sich diesem Sujet zuordnen.

1983

Im Archiv des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg wird eine Dokumentation der Arbeiten Dieter Staubers erstellt. Als Hommage an den verstorbenen Clown Charly Rivel malt er die Bilder »In der Manege« und »Der große Dialog«.

1984

Dieter Stauber wird als Repräsentant der Bundesrepublik Deutschland zur Teilnahme am »16. Internationalen Festival de la Peinture« in Cagnes-sur-Mer eingeladen. Anläßlich einer Gemeinschaftsausstellung in der bayerischen Vertretung in Bonn zeigt er eine kleine Auswahl seiner Bilder.

1985

Dieter Stauber wird in das »Allgemeine Lexikon der Kunstschaffenden des ausgehenden 20. Jahrhunderts« aufgenommen. In der Edition Toni Pongratz erscheint der Bildband »An die Weiblichkeit«. In der St.-Anna-Kapelle, Passau, ist zum ersten Mal ein repräsentativer Querschnitt seines Werkes zu sehen.

1986

Einzelausstellung in der Kongreßhalle Augsburg.

1987/88

Der gesundheitliche Zustand Dieter Staubers verschlechtert sich zusehends. Wenige Tage vor Eröffnung der Ausstellung »Menschen - Tiere - Creationen« in der Münchner Landesbank erleidet er infolge seiner fortgeschrittenen Diabeteserkrankung einen Herzinfarkt.

1989

Ein zweiter Bildband mit dem Titel »Clownerien« erscheint in der Edition Toni Pongratz. Das Buch umfaßt Staubers Werke aus der Welt der Spaßmacher und Gaukler - ein Sujet, das ihn schon immer fasziniert hat. In dieser Zeit entstehen besonders viele Variationen zu diesem Thema. Zwei Schlaganfälle in kurzer Folge verursachen eine Lähmung im rechten Fuß und starke Verwirrtheitszustände, so daß er sich einer Behandlung in einer Rehabilitationsklinik unterziehen muß. Dieter Stauber wird mit dem kulturellen Ehrenbrief der Stadt Passau ausgezeichnet.

 

1990

Um sich von akademischen Konventionen zu befreien, legt sich Dieter Stauber das Pseudonym »Dietfried Eisenstein« zu. Unter der »neuen Identität« entstehen zahlreiche Bilder in Collage-,Pastose- und Mischtechnik, die er in der Galerie seines Bruders Horst ausstellt. Zu den wichtigsten Arbeiten aus dieser Periode gehören »Bild mit Betrachter« und »Sphinx«.

1991

Gesundheitliche Rückschläge lassen ihn nur noch eingeschränkt arbeiten. Ein Nierenversagen zwingt Dieter Stauber zur Dialyse. Die Ausstellung mit dem Titel »Traumhaftes - Wirkliches - Expressives« findet in Bad Griesbach statt.

1992

Nach einer Beinamputation ist Dieter Stauber an den Rollstuhl gefesselt. In dieser Zeit entstehen sehr farbintensive Bilder, die überwiegend von ironisch-sarkastischem Humor geprägt sind. Werke wie »Don Quichotte auf dem Motorpferd«, »Der Hühnerbock« und »Reinkarnation« entstehen. Seine Mutter stirbt in diesem Jahr.

1993

Dieter Stauber erhält den Kulturpreis des Böhmerwaldbundes.

1994

Am 13. Juli stirbt Dieter Stauber in Passau.